© Antonio Lallo, guardaproduction, 2019

Fotograf: Jan Merkle

LEBENSLAUF

Filmproduktionen (Schauspieler)

Theaterproduktionen (Auswahl)

Inszenierungen

Produktionen guardaproduction

 

"Abriss" meiner Karriere

IM SCHWÄBISCHEN

1973 im Schwäbischen geboren und in der Nähe der Schönbuchlichtung bei Holzgerlingen aufgewachsen, habe ich schon früh Kontakt mit dem Clownesken geniessen können. Mein Großvater mütterlicherseits Giuseppe, auch Zi’ Peppe genannt, hatte eine großartiges Talent seine Mitmenschen mit Ausnahme meiner Großmutter Carmela, die oftmals sichtlich genervt von ihm zu sein schien, zu amüsieren und zu unterhalten. Er, der in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts mit der großen Einwanderungswelle nach Deutschland kam, um hier zu arbeiten, entwickelte früh einen speziellen Humor, der sehr ansteckend war und der mich sehr inspirierte und beeindruckte. So entwickelte ich mich langsam auch zu einem Pausenclown, der nie um eine Pointe verlegen war, wenn mir eine Steilvorlage von Seiten meiner Mitmenschen gegeben wurde.

DIE ENTDECKUNG

Meine Schauspielkarriere nahm dann so langsam ernstere Züge an, als ich in der italienischen Mission in Sindelfingen erste Schritte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, wagen konnte. Über den Ministrantendienst kam ich endlich zur ersten schauspielerischen Darstellung einer Figur, und zwar des heiligen Martin in einer Bearbeitung meines Pfarrers Don Antonio (der hieß wirklich so; alle Pfarrer in Italien haben ein Don vor dem Namen). So ging es immer weiter, bis ich in der 5. Klasse der Realschule endlich die Chance hatte, an der dort berühmten Theater-AG teilzunehmen, die vom Rektor persönlich mit Erfolg geleitet wurde. Doch als er in meine Klasse kam, um neue Talente „anzuwerben“, versagt mir die Stimme und ich hatte keinen Mumm mehr mich zu melden. So wurden zwei meiner Mitschüler ausgewählt, die die Kinder in der Krimikomödie „Der Geist von Canterville“spielen durften, in der Inszenierung des besagten Rektors Walter Gröner. Natürlich saß ich bei der Vorstellung in der ersten Reihe und beneidete meine beiden Klassenkameraden dafür, daß sie auf der großen Bühne der Stadthalle Holzgerlingen stehen konnten und ich nicht.

STAGEFEVER

Und seitdem ergriff mich das Bühnenfieber. Ich wollte unbedingt dahin. Entdeckt wurde ich dann schließlich bei einem Schulfest, wo jede Klasse etwas darbieten musste (der Rektor war ja sehr Theater vernarrt, wie ich schon angedeutet habe!) und ich hatte mich bereit erklärt einen Boxkampf gegen mich selber zu veranstalten (12 Lenze muss ich damals gezählt haben). Auf jeden Fall erntete ich Aufmerksamkeit und wurde so vom Rektor entdeckt und meine Theater-AG-Karriere beginnen. Wir spielten alles, von „Das Haus in Montevideo“ bis hin zu „Der Widerspenstigen Zähmung“. In den nächsten 5 Jahren entwickelte ich mich zu einem kleinen Star an der Realschule. Hier konnte ich so langsam mein komödiantisches Talent weiterentwickeln.

ES BEGINNT
Die Realschulzeit war zu Ende, aber meine Begeisterung für das Theater noch lange nicht. Nachdem ich auf dem Wirtschaftsgymnasium weiter versuchte mir eine ordentliche Schulausbildung anzueignen, um meine Eltern zu beruhigen, gründete ich zum Ausgleich mit Freunden die „Bühne Holzgerlingen“. Drei Jahre lang führten wir dann in der Stadthalle mit Erfolg verschiedene Theaterstücke auf. Hierbei hatte ich verschiedenste Funktionen inne, vom Regisseur bis hin zum Kartenabreisser. Leider überwarf ich mich am Ende mit meinen schwäbischen Laiendarstellern, weil mein Anspruch wuchs diametral zu deren Können, so daß ich mich entschloss auf eine Schauspielschule zu gehen, um das Handwerk des Schauspielers hautnah zu erlernen. So kam ich wie die Jungfrau zum Kinde, denn ich hatte keine Ahnung auf welche Schule ich gehen sollte. Da ich ein bisschen Geld auf die Seite gebracht hatte, entschloss ich mich den schnellsten Weg zu gehen, und bewarb mich einmal auf der Privaten Freiburger Schule und der ebenso privaten Manfred-Riedel-Schauspielschule in Stuttgart. Beide wollten mich haben, aber ich ging dann auf die Schule in Stuttgart, weil ich bei meinen Eltern bleiben konnte, um Unterhaltskosten zu sparen, denn die Schule kostete mich 512 DM im Monat, was sehr viel Geld war und ist. Doch schnell merkte ich, daß mich diese Schulausbildung nicht weiterbringen würde. Also verließ ich die Schule nach 2 Jahren und setzte alles auf zwei Vorsprechen an staatlichen Schulen, in Bochum und in Stuttgart, während ich gleichzeitig an der Theatergalerie Neckartailfingen in der Nähe von Nürtingen mir ein Zubrot als multimedialer Schauspieler verdiente. Bochum erkannte mein Talent nicht, dafür aber Stuttgart und so begann meine professionelle Laufbahn als Theaterschauspieler. Und habe es bisher nur manchmal bereut.
KARRIERE?
Ja, es ist eine Karriere. Jeden Schritt, den ich bisher gemacht habe, ist mehr als ich mir jemals als junger Schauspieler erhofft hatte. Ich lebe nun seit fast 15 Jahren nur von der Schauspielerei und kann heute auch eine Familie mit zwei Kindern ernähren. Das ist mehr als ich mir jemals erhofft hatte. Ich war jetzt bisher nicht an den wirklich großen Theaterhäusern Deutschlands, aber ich hatte keine Arbeitslosigkeit zu ertragen, was in meinem Beruf schon sehr viel ist. Ich hatte auch immer große und interessante Rollen zu spielen, die mich oftmals sehr erfüllt haben, natürlich gepaart mit Produktion, die mich erschauern ließen und mich heute noch erschauern, wenn man meine Lebenszeit mit etwas nutzlosem vergeudet.
(Fortsetzung folgt)